US-Plan für mehr Konfrontation: Russland „Atomzähne“ ausschlagen

a-trumpputin

Bitte geht vom Kriegsgrund weg! Dazu haben frühere Außen- und Verteidigungspolitiker Russlands, Deutschlands, Großbritanniens und der USA die Staatschefs Trump und Putin in einem Brandbrief aufgerufen. Zwei Experten diskutieren den Appell im Interview .
Nie sei die Kluft zwischen Russland und dem Westen so groß gewesen seit dem Ende des Kalten Krieges, stellen die Autoren des Briefes fest. Und sie mahnen: „In einem Atomkrieg kann es keine Sieger geben.“

Daran müssten Donald Trump und Waldimir Putin die Weltöffentlichkeit dringend erinnern, raten sie. Die Verfasser des Briefs sind unter anderem Russlands früherer Außenminister Igor Iwanow und Deutschlands ehemaliger Botschafter in Washington Wolfgang Ischinger. Seit 2008 leitet der Diplomat die Münchner Sicherheitskonferenz.

„Nur durch Kontakte, Transparenz und Vertrauen“ könnten die Risiken „eines katastrophalen Fehlers oder Zufalls“ vermindert werden, schreiben die Autoren weiter.

Sie empfehlen, eine Russland-Nato-Gruppe für Krisenmanagement einzurichten, um den Dialog zwischen den Militärs Russlands und der USA wieder in Gang zu setzen. Dass dieser Brandbrief kurz vor dem G20-Gipfel in Hamburg im kommenden Monat erschienen ist, ist laut dem Portal sicherlich kein Zufall: Es entstehe nämlich der Eindruck, dass die Anti-Russland-Stimmung in den USA seit Trumps Amtseinführung einen Höhepunkt nach dem anderen erreiche.

„Insofern würde ich die Bedeutung dieses Briefes nicht unterschätzen. Ein Appell an die Vernunft hat ja einen Wert an sich“, sagt der Politologe Boris Schmeljow, Leiter des Lehrstuhls für internationale Beziehungen an der diplomatischen Akademie des russischen Außenministeriums. „Erhebliche Zweifel gibt es aber daran, dass einer der Vorschläge umgesetzt wird.“

Denn zwischen Washington und Moskau fehle Vertrauen. Dies ist sicherlich nicht ohne Grund so: „Der Westen hat von Anfang an alle seine Versprechen gebrochen und das Nato-Gebiet bis an Russlands Westgrenze ausgeweitet. Jetzt geht es schon darum, direkt in Russlands Nachbarschaft Militärbasen einzurichten.“ Ein Konflikt sei entstanden, der sich nach seiner ganz eigenen Logik entwickele, so der Experte.

„Dabei ist dieser Konflikt vor allem für Russland so sehr von Nachteil wie für niemanden sonst. Denn Russlands Interesse ist es eigentlich, die eigene Wirtschaft mit aller Kraft voranzutreiben“, betont der Analyst. „Der Westen aber zwingt uns in die Konfrontation, setzt alle Errungenschaften der Entspannungspolitik Schritt für Schritt außer Kraft – jetzt auch das Abkommen über Kurz- und Mittelstreckenwaffen.“

Ständig bauen die US-Amerikaner ihren Raketenschild aus. Und Russland muss nachziehen, wie der Experte sagt. Denn: Ohne die atomare Abschreckung „hätte Russland längst das Schicksal Jugoslawien ereilt. Deswegen unternehmen die US-Amerikaner alles Mögliche, um uns die Atomzähne auszuschlagen.“ Wäre es angesichts dieser Lage für Russland nicht sinnvoll, konsequent in die Offensive zu gehen – zum Beispiel die Aufständischen im Donbass unmittelbar zu unterstützen? Einige Experten schlagen dies laut dem Portal jedenfalls vor.

Solchen Vorschlägen erteilt der Experte Schmeljow eine klare Absage: „Eine Offensive würde sich direkt auf die wirtschaftliche und soziale Lage im Inneren Russlands auswirken, das Land von innen schwächen.“ Zumal Russland in dieser Kalten Konfrontation mit dem Westen auf sich gestellt sei. So ernst sei die Lage nicht, entgegnet Schmeljows Kollege Andrej Manojlo. Er ist Politikprofessor an der Moskauer Staatlichen Universität. Die ganze aggressive Rhetorik sei nur ein Muskelspiel für die Öffentlichkeit.

„Die echten Kontakte zwischen Moskau und Washington finden auf anderen Kanälen statt. Und sie sind sehr viel intensiver als man es aus den Medien erfährt“, sagt der Professor. „Echte Politik unterscheidet sich nicht selten von dem, was den Medien entnommen werden kann.“

„Oft werfen jene Kreise Russland Aggression vor, die an der Erhöhung von Militärausgaben interessiert sind.“ Die aggressive Rhetorik an sich sei aber keine Gefahr, ist der Wissenschaftler überzeugt. Jetzt gehe es darum, was beim kommenden G20-Gipfel passiere. „Ich bin mir sicher: Nach dem Treffen Trumps und Putins – dieses wird stattfinden – geht die Eskalation zwischen Russland und den USA Stück für Stück zurück. Uns erwarten Überraschungen“, sagt er abschließend.

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