Der mysteriöse Einsturz von World Trade Center 7 Warum der offizielle Bericht zum 11. September unwissenschaftlich und falsch ist

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Dr. Daniele Ganser

Seit Jahren beschäftige ich mich als Historiker in der Schweiz mit 9/11, weil dieser Terroranschlag ohne jede Frage ein ganz zentrales Ereignis der Zeitgeschichte ist. Es gibt unzählige Bücher, Zeitungsartikel und Dokumentarfilme zum Thema, so daß man schnell den Überblick verlieren kann. Man kann sicher sagen, 9/11 ist wie ein dunkler Wald, wer ohne Kenntnis hineinläuft, kann sich schnell verlieren. Weil es weitaus wertvoller ist, eine Sache genau zu kennen, statt vieles nur oberflächlich, rate ich allen Interessierten, sich streng auf den Einsturz von WTC 7 zu fokussieren, und alle anderen Aspekte von 9/11 zu ignorieren. Die dadurch eingesparte Energie und Zeit, so mein Rat, sollte dafür verwendet werden, bei WTC 7 so tief wie möglich zu graben. Und genau das tut das äußerst wertvolle vorliegende Buch von David Ray Griffin.

Die Historiker sind langsam, dafür aber genau. In den letzten fast 16 Jahren hat die WTC 7-Forschung beachtliche Fortschritte erzielt, auch wenn noch nicht alle relevanten Fragen geklärt sind. Bis jetzt wissen wir mit Sicherheit, daß WTC 7 am 11. September 2001 eingestürzt ist. Darüber gibt es einen Konsens in der Forschung, das ist gesichertes historisches Wissen. Wir wissen auch mit Sicherheit, daß WTC 7 nicht durch ein Flugzeug getroffen wurde, daß daher also der Einsturz des dritten Turmes nicht durch ein Flugzeug verursacht wurde. Auch darüber gibt es Konsens in der Forschung, das ist gesichertes historisches Wissen. Wir wissen zudem, daß WTC 7 ein massiver Stahlbau mit 81 senkrechten starken Säulen war, der in sieben Sekunden einstürzte, davon die ersten zwei Sekunden im freien Fall. Das ist gesichertes historisches Wissen, darüber gibt es Konsens in der Forschung. Zudem wissen wir, daß die BBC-Journalistin Jane Stanley den Einsturz von WTC 7 rund 20 Minuten zu früh vermeldet hat, nämlich in den fünf Uhr-Nachrichten, während das Gebäude in der Realität erst um 17.20 Uhr einstürzte, ein Fehler, für den sich BBC-Nachrichtenchef Richard Porter erst 2008 entschuldigt hat. Auch darüber gibt es Konsens in der Forschung, das ist gesichertes historisches Wissen. Wir wissen auch, daß der 567 Seiten lange offizielle 9/11-Untersuchungsbericht, der im Juli 2004 publiziert wurde, (Final Report of the National Commission on Terrorist attacks upon the United States) zwar WTC 7 beiläufig erwähnt, aber erstaunlicherweise den Einsturz von WTC 7 völlig verschweigt. Im offiziellen Untersuchungsbericht, immerhin die Basis für den sogenannten »Krieg gegen den Terror«, wird nur über den Einsturz der Twin Towers WTC 1 und WTC 2 berichtet, der Einsturz von WTC 7 wird verschwiegen. Auch über diese Tatsache gibt es Konsens in der Forschung, das ist gesichertes historisches Wissen, auch wenn es vielen Menschen schwer fällt, diese unverzeihliche Lücke zu erklären.

In anderen Punkten ist die WTC 7-Forschung noch offen. Gestritten wird heute vor allem noch über die Kernfrage, ob WTC 7 durch Sprengung oder durch Feuer zum Einsturz gebracht wurde. In diesem wichtigen Punkt gibt es bisher keinen Konsens in der Forschung und es ist daher ratsam, ergebnisoffen die Fakten zu prüfen. Ein Teil der Experten meint, daß WTC 7 ganz sicher durch Sprengung zum Einsturz gebracht wurde, und daß folgerichtig Präsident George Bush die Welt nicht ehrlich über 9/11 informiert hat. »Nach meiner Meinung ist das Gebäude WTC 7 mit großer Wahrscheinlichkeit fachgerecht gesprengt worden«, erklärte mir der renommierte Experte Jörg Schneider, emeritierter Professor am ETH Institut für Baustatik und Konstruktion (IBK) in Zürich vor mehr als 10 Jahren. Als ich dieses Zitat von Schneider am 9. September 2006 in der Schweizer Tageszeitung Tages-Anzeiger publizierte, kam prompt die Reaktion der US-Botschaft in der Schweiz, die behauptete, jedes Hinterfragen von 9/11 sei ein Verbreiten von Verschwörungstheorien. Tatsächlich wird das Wort »Verschwörungstheorie« nicht nur in den USA, sondern auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz immer wieder als Kampfbegriff eingesetzt, um ein kritisches Ausleuchten von 9/11 zu verhindern. Davon soll man sich nicht abschrecken lassen. Dieser Kampfbegriff trägt gar nichts zur Frage bei, ob WTC 7 gesprengt wurde oder wegen Feuer einstürzte.

In den USA haben sich verschiedene Architekten und Ingenieure dem mysteriösen Einsturz von WTC 7 angenommen. Angeführt von Richard Gage, einem Architekten aus San Francisco, haben sie 2006 die Organisation Architects & Engineers for 9/11 Truth (AE911Truth) gegründet, um 9/11 und den Einsturz von WTC 7 wissenschaftlich zu untersuchen. »Wir sind mehr als 2200 Architekten und Ingenieure, die eine neue 911-Untersuchung verlangen«, erklärte Richard Gage auf dem amerikanischen Fernsehsender C-SPAN am 1. August 2014. »WTC 7 fiel wie ein Stein im freien Fall symmetrisch. Die Ursache kann kein Bürobrand gewesen sein, obschon das NIST dies behauptet. Alle 81 Säulen müssen gleichzeitig ihre Stabilität verloren haben.«

Während die gemeinnützige Organisation AE911Truth argumentiert, daß bei WTC 7 vieles auf Sprengung hindeute, nimmt die amerikanische Regierungsbehörde National Institute for Standards and Technology (NIST) die Gegenposition ein und argumentiert, daß ein Feuer den Einsturz von WTC 7 bewirkt habe, eine Sprengung sei es nicht gewesen, so die Behörde. NIST-Mitarbeiter Shyam Sunder hat im August 2008 den Abschlußbericht zu WTC 7 publiziert und darin behauptet, ein Feuer habe das dritte Gebäude zum Einsturz gebracht. Seither dreht sich die Debatte um die Frage, ob es wirklich ein Feuer oder nicht doch eine Sprengung war, das NIST und die AE911Truth kämpfen sozusagen um die Deutungshoheit. Es ist ein unglaublich spannender Kampf mit derzeit noch offenem Ausgang. »Die Fakten zu WTC 7 – welche vom NIST ignoriert wurden – deuten sehr stark auf Sprengung hin«, erklärte der amerikanische Architekt Daniel Barnum im März 2017 im Rahmen einer Kundgebung von AE911Truth. Die Debatte um WTC 7 ist in den USA äußerst lebendig und aktuell, auch wenn in den Medien in Deutschland, der Schweiz und Österreich kaum darüber berichtet wird.

David Ray Griffin seziert im vorliegenden Buch den NIST-Bericht von 2008 und zeigt, daß die damalige Untersuchung von NIST weder sauber noch wissenschaftlich war. Ich freue mich daher sehr, daß das Buch von David Ray Griffin, das auf Englisch 2010 publiziert wurde, nun endlich auch auf deutsch vorliegt. Ob WTC 7 wegen Sprengung oder Feuer einstürzte, ist nicht nur die Kernfrage von 9/11, sondern auch die heikelste Frage des ganzen sogenannten »Krieges gegen den Terror«. So wie eine Wurzelbehandlung beim Zahnarzt schmerzhaft ist, erzeugt auch die Analyse des Einsturzes von WTC 7 starke Emotionen, weil es hier sprichwörtlich um die Wurzel unserer gegenwärtigen Zeitepoche geht.

Es ist wichtig zu verstehen, daß im US-Imperium eine aktive Friedensbewegung existiert. Immer mehr Menschen in den USA unterstützen die kritische Forschung von David Ray Griffin. »Ich sah wie WTC 7 runterkam, ich war vor Ort«, so der forensisch arbeitende Firemarshall und Feuerwehrmann Rudy Dent. »Es gab eine laute Explosion vor dem Einsturz. Das war eine klassische Sprengung. Darüber gibt es keine Zweifel. … Die Erklärung mit dem Feuer ist lächerlich. NIST lügt. … Ich habe 343 Feuerwehrkollegen an diesem Tag verloren, wir sind eine Familie, ich will, daß diese Lüge aufgeklärt wird. Ich bin jetzt pensioniert, daher kann ich offen sprechen.« Ähnlich kritische Stimmen kommen auch von ehemaligen Mitarbeitern des NIST, die einräumen, daß der Bericht von 2008 von Shyam Sunder nicht wissenschaftlichen Kriterien entspricht.

»Vor einigen Monaten habe ich angefangen, die NIST Berichte zu lesen«, so Peter Michael Ketcham im Februar 2017. Ketcham hatte selber 14 Jahre am NIST gearbeitet, aber nicht selber an der NIST-Untersuchung zu WTC 7 teilgenommen. Es ging ihm wie vielen anderen Menschen: Er hatte den NIST-Bericht schlicht nie gelesen, was übrigens auch auf die meisten Journalisten zutrifft, die zum Krieg gegen den Terror schreiben. Doch als er es tat, gingen ihm die Augen auf. »Ich wurde schnell wütend. Erstens über mich selber: Wie konnte ich so viele Jahre am NIST arbeiten, und die offenen Fragen nicht sehen! Zweitens wurde ich wütend über das NIST. Je länger ich nachforschte, je klarer wurde mir, daß bei WTC 7 das NIST eine vorgefaßte Schlußfolgerung präsentiert hat, welche die Fakten ignoriert.«

Das vorliegende Buch von David Ray Griffin legt den Finger auf den wunden Punkt, den NIST-Bericht von 2008. Es ist ganz klar, daß wir den ganzen sogenannten Krieg gegen den Terror kritisch untersuchen müssen, aber vor allem dessen Beginn. Und hier steht das WTC 7 im Fokus. Die Debatte in den USA geht weiter. Der führende Mann in der Forschung ist derzeit Professor Leroy Hulsey von der University of Alaska Fairbanks. Er hat im Auftrag von AE911Truth das ganze WTC 7 im Computer nachgebaut und den Einsturz simuliert. Im September 2017, genau 16 Jahre nach 9/11, wird Hulsey seine Abschlußresultate vorlegen. Diese werden den NIST-Bericht erneut scharf angreifen. »Das Gebäude WT7 wurde nicht durch Feuer zum Einsturz gebracht«, so Hulsey. Das sei technisch ganz einfach nicht möglich. Das NIST-Computermodell hält er für extrem fehlerhaft.

Es ist meine Hoffnung, daß die Forschungsresultate von ehrlichen Wissenschaftlern wie David Ray Griffin weltweit gelesen werden. Immer mehr wache Bürgerinnen und Bürger, zu denen auch der engagierte Verleger dieses Buches, Oliver Bommer, zählt, unterstützen die Friedensbewegung. Sie alle wollen mit Fakten belegen, daß der ganze sogenannte »Krieg gegen den Terror« ein übles Gemisch aus Lüge und Gewalt ist. Zusammen mit Millionen von Menschen lehne auch ich den sogenannten »Krieg gegen den Terror« und die damit verbundene Rahmenerzählung ab, weil sie verlogen ist und keines der drängenden globalen Probleme löst, sondern nur neue schafft. Ich hoffe, daß es uns an einem nicht zu fernen Tag in der Zukunft möglich sein wird, ohne diffamiert zu werden, auch in der Öffentlichkeit ergebnisoffen und ehrlich über WTC 7 zu sprechen. Bis dahin braucht es Mut und Beharrlichkeit. Sophie Scholl von der deutschen Widerstandsgruppe »Weiße Rose« schrieb während des Zweiten Weltkriegs in einem Brief, den sie als Neunzehnjährige an ihren Verlobten Fritz Hartnagel verfaßte, treffend: »Wir haben alle unsere Maßstäbe in uns selbst, nur werden sie zu wenig gesucht. Vielleicht auch, weil es die härtesten Maßstäbe sind.«

Dr. Daniele Ganser
Swiss Institute for Peace and Energy Research (SIPER)

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