Europas „effektivste Armee“ – wie es wirklich um Kiews Truppen steht

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Pilotenanzüge reißen, Granatwerfer explodieren, der Sold reicht zum Leben nicht – das ist Europas effektivste Armee, wenn man dem Präsidenten der Ukraine, Petro Poroschenko, glaubt. Das Portal „rueconomics“ hat mit dem Militärexperten Boris Roschin über die Lage im ukrainischen Militär gesprochen.
Roschin zitiert Wladislaw Woloschin, eine Ex-Piloten der ukrainischen Streitkräfte:

„Mein Einsatzanzug war aus dünnem, leicht brennbarem Material. Die Schuhe – davon will ich gar nicht reden: Ich habe mir auf eigene Kosten welche gekauft. Den Helm haben mir Freunde in Russland besorgt, auch das GPS und das Navigationsgerät. Auch reichte der Sold vorn und hinten nicht, um meine Familie zu ernähren.“

So sieht die Versorgungslage in der Kiewer Armee also aus. Dabei brüstete sich der ukrainische Präsident Poroschenko just erst mit seinen Streitkräften: „Die Verteidiger der Unabhängigkeit, der territorialen Integrität und Souveränität des ukrainischen Staates haben erneut bewiesen und beweisen weiterhin, dass die ukrainische Armee eine der effektivsten Armeen auf dem Kontinent ist“, sagte er am Mittwoch laut dem Portal.

Zahlenmäßig ist die ukrainische Armee tatsächlich stark – kein anderer europäischer Staat hat derzeit mehr Soldaten an der Waffe. Doch leben die Europäer in Friedenszeiten, die Ukraine aber führt Krieg: Ihre Armee ist erst nach der Mobilisierung so groß geworden, wie das Portal schreibt.

Die Geschichte des ehemaligen Piloten Woloschin lässt ja schon erkennen, wie „effektiv“ die ukrainischen Streitkräfte tatsächlich sind. Aber hier noch ein paar Fakten, die Kiew gerne laut Roschin verschweigt: „Mehr als 85 Prozent der ukrainischen Waffen sind noch zu Sowjetzeiten hergestellt worden, in den 70er, 80er Jahren. Vor zwei Jahrzehnten wurden die Waffen und die Technik als Reserve konserviert, inzwischen sind diese Reserven erschöpft – ein Mangel an Waffen und Munition ist deutlich zu spüren“, so der Militärexperte.

„Mit der Marine sieht es nicht besser aus. Die Ukraine hat praktisch keine Kampfschiffe. Die wenigen, die noch geblieben sind, sind höchstwahrscheinlich schon in einem irreparablen Zustand oder werden es bald sein.“

Aber die Ukraine hat doch noch diese ultramodernen Superwaffen… Der neueste Granatwerfer ‚Molot‘ explodiere beim Gebrauch und töte eigene Soldaten, berichteten ukrainische Medien. Im Frühling seien drei ukrainische Soldaten im Donbass auf diese Weise ums Leben gekommen, viele weitere verletzt worden. „Die wahrscheinlichste Unfallursache: Konstruktionsmängel – auch wenn die Kiewer Führung sich damit Zeit lässt, diese Version zu bestätigen“, so Roschin.

Ukrainische Journalisten hätten recherchiert: Seit 2015 seien über 200 dieser Granatwerfer gebaut und ohne vorherige Tests an die Armee ausgeliefert worden, schreibt das Portal. Sieben Soldaten seien durch Fehlfunktionen dieses Granatwerfers gestorben, Dutzende verletzt worden.

Dass die USA und die Nato nicht-tödliche Waffen, Ausrüstung und Geländewagen liefert, stärke die ukrainische Armee nicht wirklich, so das Portal. „Das Einzige, wo Kiews Streitkräfte Erfolge erzielen, ist die Ausbildung der Soldaten. Aber sie war vor 2014 derart miserabel, schlechter ging es gar nicht. Und wenn man am tiefsten Punkt anfängt, ist jeder weitere Schritt ein Fortschritt“, sagt der Experte Roschin.

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