Eine Mumie kehrt zurück

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In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war die Idee vom Intermarium für Polen verlockend, sollte sie doch einen Korridor von der Ostsee bis zur Adria einen starken Puffer zwischen Deutschland und Russland schaffen. Heute erlebt sie eine Renaissance.

Intermarium, oder „Zwischen den Meeren“, war ein Projekt des polnischen Alleinherrschers Jozef Pilsudski, der nach dem Ersten Weltkrieg unter dem Deckmantel einer slawischen Konföderation von osteuropäischen Ländern die alte Litauisch-Polnische Union wiederaufleben lassen wollte. Dieses Projekt sollte unter anderem die damalige Zweite Polnische Republik umfassen, Litauen, Weißrussland und die Ukraine.

Diese waren allesamt Länder, die nach dem Ersten Weltkrieg nicht die heutigen Grenzen innehatten oder gar nicht als unabhängige Länder existierten. Anschließend war es Pilsudskis Ziel, diese Union um Rumänien, Jugoslawien, die Tschechoslowakei, Finnland und den beiden anderen baltischen Staaten zu erweitern. So sollte das Intermarium von der Ostsee bis zum Adriatischen Meer reichen. Unter der Führung von Pilsudski hätte somit ein Länderblock gegen das Deutsche Reich und Sowjetunion entstehen sollen.

So beschrieb der SPIEGEL Jozef Pilsudski noch 1980:

Sein Grunderlebnis bestand in seinem Hass gegen Russland. Wie Josef Stalin hatte er zu Anfang des Jahrhunderts russische Geldtransporte ausgeraubt. Und nicht zuletzt der Eigenmächtigkeit des sowjetischen Politkommissars Josef Stalin hatte er es zu verdanken, dass er, der militärische Autodidakt, nicht als Abenteurer unterging, sondern Marschall wurde.

Die Idee des Marschalls blieb allerdings das, was es war, nämlich nur eine Idee. Doch wie es so oft mit Ideen ist, lassen sie sich nicht mit Waffengewalt besiegen. So überdauerte die Idee eines Intermarium nicht nur den Zweiten Weltkrieg, sondern auch den Kalten Krieg unter Dissidenten im Pariser Exil. Nach der Auflösung der Sowjetunion fand die Idee Eingang in die Planung für die so genannte Visegrád-Gruppe, einer mehr oder weniger formellen Zusammenarbeit zwischen Polen, Tschechien, der Slowakei und Ungarn innerhalb der Europäischen Union.

Es sollte aber noch bis 2012 dauern, bis der Begriff Intermarium als ernstzunehmende Konzeption ironischerweise von der Europäischen Universität für Geisteswissenschaften in Vilnius/Litauen aufgegriffen wurde – einer aus Weißrussland exilierten und von der Europäischen Kommission sowie George Soros finanzierten Hochschule.

Ironischerweise deshalb, weil es bestimmt nicht im Sinne der Europäischen Kommission war, dass Intermarium wie schon am Anfang des 20. Jahrhunderts von Nationalisten und sogar Nazis als Gegenkonzept zur Europäischen Union übernommen wurde. Der Vorschlag hätte vielleicht auch einhundert Jahre nach seinem erstmaligen Aufkommen wieder in die Vergessenheit geraten können, wenn nicht verschiedene, auf den ersten Moment völlig voneinander losgelöste Ereignisse, sich ereignet hätten und in dieser Idee einen gemeinsamen Nenner fanden.
Kroatien und die Europäische Union

Eine der wichtigsten Bedingungen für die EU-Beitrittsverhandlungen und ultimative Aufnahme Kroatiens in die Europäische Union war nebst der Auslieferung von mutmaßlichen Kriegsverbrechern aus dem jugoslawischen Bürgerkrieg Anfang der 1990-er Jahre auch die Privatisierung von staatlichen Unternehmen. Während die meisten Kroatien als wunderschöne Tourismusdestination kennen, wissen die Wenigsten, dass das kleine Land an der Adria auch über große und erfolgreiche Unternehmen in den Bereichen Schiffsbau, Pharma, Landwirtschaftstechnologie und Nahrungsmittelproduktion verfügte. Und was vielleicht nicht weniger interessant ist: Kroatien verfügt 71 Million Barrel bzw. 24,92 Milliarden Kubikmeter bestätigte Öl- respektive Gasvorkommen.

Doch mit dem Zerfall des jugoslawischen Staates, den vom Westen unterstützten Unabhängigkeitsbestrebungen der damaligen Teilrepubliken Slowenien und Kroatien und der anschließenden Kriegswirtschaft in Kroatien wurde der Korruption Tür und Tor geöffnet, die zudem bis heute nicht geschlossen werden konnten.

Im Wege der Privatisierung von Staatsunternehmen, einer ineffizienten Staatsführung und einer nur auf den eigenen Vorteil bedachten Politikerkaste, war der Beitritt zur Europäischen Union – manche sprechen auch von einem Anschluss – ein viel zu verlockendes Angebot, als dass man das Land oder die Bürgerinnen und Bürger im Blickwinkel behalten hätte können. So zersetzte die Korruption eine Regierung nach der anderen und führte auch zu Verhaftungen. Der vielleicht prominenteste Fall ist der Prozess gegen Ex-Ministerpräsident Ivo Sanader.

Die Korruption, die sich in der Periode der EU-Beitrittsverhandlungen massiv verschlimmert hat und trotz des neu gegründeten „Büros zur Bekämpfung von Korruption“ auch in der breiten Gesellschaft angekommen ist, nennen Auswanderer inzwischen als wichtigsten Grund für ihre Emigration. Zwischen 2001 und 2010 sind Schätzungen zufolge 15,2 Milliarden US-Dollar aus dem staatlichen Wirtschaftskreislauf verschwunden, eine riesige Summe für so ein kleines Land. Unter diesen Umständen hätte Kroatien gemäß EU-Richtlinien nie ein Mitglied werden können, wie viele andere Länder übrigens auch. Was zählte, waren aber nicht so sehr die eigenen Richtlinien, als vielmehr der geopolitische Wert für die Union.

In Zagreb weiß man natürlich genau, welches Interesse in Brüssel und Berlin verfolgt wird und welche Tasten man bedienen muss, um die gewünschten Töne zu treffen. Aber wie bringt man persönliche, nationale und internationale Interessen unter einen Hut?
LNG-Begehrlichkeiten auf Krk

Ein sehr gutes Beispiel bietet das seit 2007 in der Projektierungsphase befindliche LNG-Terminal auf der kroatischen Insel Krk. Immer wieder kam es aus unterschiedlichsten Gründen zu Verzögerungen oder stand das Projekt kurz vor dem Aus, bis die Regierung es im Juli 2015 zu einem „strategischen Investitionsprojekt“ erklärte. Dieser Schritt kam aber nicht aus Überzeugung zustande, sondern auf Druck Washingtons. Mit dem plötzlichen Auftreten der USA als Energielieferant mittels des so genannten Frackings benötigte man dringend auch Abnehmer für die im Bau befindlichen LNG-Terminale entlang der amerikanischen Ostküste.

Schon 2013 drängte Ian Brzezinski, Sohn des mittlerweile verstorbenen ehemaligen nationalen Sicherheitsberaters Zbigniew Brzezinski, Brüssel und Zagreb dazu, das Projekt auf der Insel Krk voranzutreiben, um vor allem die russischen Pläne für die South-Stream-Gaspipeline zu sabotieren. Was Brzezinski besonders störte, waren die 2010 unterfertigten Absichtserklärungen zwischen Zagreb und Moskau, das russische South Stream auch an Kroatien anzuschließen.

Dass das insbesondere in Brüssel und Washington alles andere als gut ankam, kann man sich vermutlich leicht vorstellen. Es hätte bedeutet, dass ein EU-Mitglied den von der EU-Kommission und dessen Energiekommissaren angestrebten „Südkorridor“ aus nationalen Erwägungen sabotiert. Davon betroffen gewesen wäre vor allem die von der EU und USA gestützte Trans-Adriatische-Pipeline (TAP), die Gas aus Aserbaidschan über die Türkei, Griechenland und Albanien nach Italien sowie über die Verlängerung nach Montenegro, Bosnien und Herzegowina und schließlich Kroatien bringen sollte. Schon in Griechenland zeigte es sich aber, dass TAP alles andere als ein wirtschaftliches Element zur Arbeitsplatzsicherung darstellt oder gar Arbeitsplätze generieren wird.

Für die Amerikaner aber, die immer noch der Nabucco-Pipeline nachtrauern, eröffnen sich mit dem „Südkorridor“ der EU und der TAP neue Perspektiven im geopolitischen Kampf gegen Russland. Schaffen sie es nämlich, russisches Gas von Europa fernzuhalten, würde dieses logischerweise einen adäquaten Ersatz benötigen. Wie gut wären da doch LNG-Terminale in Ost- und Südosteuropa, die amerikanisches Flüssiggas aufnehmen und wieder in Gas purifizieren könnten, um es anschließend an die Endkonsumenten durch neue Pipelines in einer Nord-Süd-Achse zu liefern?

Hier kommt eben das LNG-Projekt auf der Insel Krk ins Spiel. Bereits im Dezember 2014 erklärte Robin Dunnigan, Verantwortliche für „Energiediplomatie“ im US-Außenministerium, das Interesse der US-Regierung an diesem Projekt und die geopolitischen Strategie dahinter. Einwände seitens der Bevölkerung auf der Insel Krk und insbesondere der Bewohner von Omišalj, wo Terminal und Raffinerie gebaut werden sollten, werden sowohl in Zagreb, aber auch in Brüssel schlichtweg überhört. Zu viel Geld ist im Spiel, zu hoch das politische Poker, um auf umweltbedingte Einwände oder Sorgen hinsichtlich der Auswirkungen für den Tourismus einzugehen, von dem nicht nur die Menschen der Insel Krk abhängig ist.
Polens Ambitionen

Während in Kroatien sowohl die Politik als auch die Bevölkerung nur zaghaft und skeptisch auf diese Art von Rampenlicht reagieren, zeigte sich die polnische Regierung bedeutend entschlussfreudiger. Das ebenfalls von den USA geförderte – und gewünschte – LNG-Terminal in Świnoujście zeigt bereits mit seinem Namen, dass es sich um ein ehrgeiziges Projekt mit ambitionierten Zielen handelt: Es heißt Präsident Lech Kaczynski Terminal.

Auch in Polen mischt Robin Dunnigan mit der „Energiediplomatie“ der USA mit. Zusammen mit der US-Botschaft organisierte sie 2016 die Konferenz „Poland: Gateway for U.S. LNG to Central & Eastern Europe“, wo u. a. der Ausbau des Pipelinenetzwerkes von Polen nach Litauen, in die Slowakei und nach Tschechien besprochen wurde. Als nördliches Gas-Hub versteht es sich von selbst, dass Polen auch an der Realisierung der entsprechenden Projekte in Kroatien interessiert ist, um Osteuropa komplett über die zwei Länder versorgen zu können und damit auch politisch an Einfluss und Macht in Brüssel zu gewinnen.

Für die konservativ-nationalistische Regierung in Warschau ist diese Vision einer Energieroute von Norden nach Süden nicht nur von wirtschaftlich-politischer Bedeutung, sondern auch von ideologischer. Der alte Traum des Intermarium von Jozef Pilsudski, der in Polen als Nationalheld gefeiert wird, könnte im Verbund mit der EU- und US-Politik realisiert werden, und Polen so zur führenden Nation Osteuropas aufsteigen.

Dafür bedarf es selbstverständlich auch eines entsprechenden Feindbildes, das Warschau schon fast traditionellerweise in Russland und nicht zuletzt auch in Deutschland gefunden hat. Würde Polen es nämlich schaffen, die kleineren Nachbarn sowohl gegen Russland – was angesichts der Russophobie gerade im Baltikum kein Problem ist -, aber auch gegen Deutschland aufzuwiegeln, dann könnte Warschau endlich wieder zu einer Regionalmacht aufsteigen, was auch ganz im Sinne der polnischen Nationalisten ist.

So wird die Armee um fünfzig Prozent von 100.000 auf 150.000 Mann aufgestockt und eine „Staatsgarde“ von 300.000 Mann aufgebaut, eine bewaffnete Freiwilligenmiliz. Wie in der Ukraine, so findet auch in Polen ein gefährlicher Geschichtsrevisionismus statt, jeglichen Kritikern an diesem Vorgehen drohen drakonische Strafen.

Vor drei Jahren beschwerte sich der polnische Außenminister noch darüber, dass man den Amerikanern „einen Blowjob gegeben und nichts im Gegenzug erhalten“ habe. Mit dem Besuch von US-Präsident Donald Trump am 6. Juli in Warschau schien die Rechnung endlich beglichen worden zu sein. Die Rede, die der Präsident hielt, war voll des Lobes für Polen und voller historischer – nennen wir sie mal – Ungereimtheiten. Dennoch konnte die Symbolkraft des Besuches niemandem entgehen: Zur ersten Reise des US-Präsidenten nach Europa besuchte Trump nicht etwa London, Paris, Brüssel oder Berlin. Nein, er besuchte Warschau anlässlich der „Three Seas Initiative“ (Dreimeeres-Initiative), die Polen und Kroatien seit zwei Jahren vorantreiben.

Während es in kroatischen Medien heißt, dieser Besuch und die offizielle Anerkennung der Initiative durch die USA würden nun den außenpolitischen Kontext Kroatiens festlegen, sieht sich Polen in seinen Ambitionen bestätigt. Auch auf der Think-Tank-Ebene, einem enorm wichtigen Instrument zur Meinungsbildung und Einflussnahme auf die innere Politik eines Landes, wird diese Initiative unterstützt. Andreas Umland, ein in Kiew lebender, deutscher Politikwissenschaftler mit einer äußerst feindseligen Haltung gegenüber Russland, beschrieb diese dann auch als „Pakt gegen den Neohegemon“. Unter dem Schirm des großen Events auf Regierungsebene zur Dreimeeres-Initiative gab es in Warschau – ob zufällig oder nicht – auch eine internationale Konferenz zum Thema Intermarium, wo Umland als wichtigster Sprecher vorgestellt wurde.
Ukraine und Intermarium als letzter Rettungsanker?

Es war nicht die erste Konferenz zu diesem Thema, an der Andreas Umland teilnahm. Er gehört zu den wichtigsten Intermarium-Promotern in der Ukraine und bemüht sich längerer Zeit, diese Vision in verschiedenen osteuropäischen Ländern, Think Tanks, Medien und Universitäten unter die Leute zu bringen. Dabei schreckte er nicht einmal davor zurück, die neo-osmanische Agenda des türkischen Präsidenten Erdogan für seine eigene Vision einzuspannen, was historisch betrachtet eine äußerst kurzsichtige Lösung darstellt und dann schließlich an der harten Realität der Geopolitik scheitern musste.

Was bei Umland jedoch überrascht, ist der recht negative Ton, den er in Bezug auf die Europäische Union und die NATO einschlägt, wenn es um die Zukunft jener Länder geht, für die er sich einsetzt, nämlich Ukraine, Weißrussland und Georgien. Ob seine Vision für diese Länder auch tatsächlich von Nutzen sein kann, müssen diese natürlich selbst entscheiden. Fakt ist aber, dass dieses seinerseits promotete Projekt vom Intermarium in direkter Konkurrenz zur östlichen Partnerschaft steht, einem Lieblingsprojekt Deutschlands innerhalb der Europäischen Union.

Die Ukraine sieht sich nun mit einer Situation konfrontiert, in welcher Kiew unter den gegebenen Umständen die eigene Zukunft des Landes kaum mehr selber gestalten kann. Nach dem Putsch im Februar 2014 öffnete sich die Büchse der Pandora und spaltete die Gesellschaft vielleicht für immer. Am finanziellen Trog des Internationalen Währungsfonds und der EU hängend, mit einer ganzen Armada von „Beratern“ und Think Tanks besetzt, die allesamt das Land in nur eine Richtung reißen wollen, besitzt die Ukraine nur mehr sehr wenig Spielraum für eigene Wege.

Deshalb entpuppt sich für manche einflussreichen Leute aus Präsident Poroschenkos Block, der offiziellen Politpartei des Präsidenten, das Projekt Intermarium als möglicher rettender Anker, bevor das Land gänzlich auseinanderfällt. Auf militärischem Gebiet wurden die Gleise in diese Richtung bereits mit der Bildung einer polnisch-ukrainischen-litauischen Brigade (LITPOLUKRBRIG) gelegt, mit Sitz im polnischen Lublin. Als Patron der Brigade wurde Konstantin Iwanowitsch Ostrogski auserwählt, der laut Beschreibung „die moskowitische Armee zerschlagen“ hat.

Doch es ist nicht nur Andreas Umland, der Interesse an Intermarium gefunden hat. Auch die neonazistische Asow-Brigade unter ihrem „Führer“ Andriy Biletsky nutzt diese Idee für die Erhaltung der „europäischen Werte“, und macht sich unter dem Schlagwort der „Natiokratie“ bei vielen von der EU enttäuschten Menschen einen Namen. Auch Asow organisierte dieses Jahr bereits zum zweiten Mal eine Intermarium-Konferenz mit Teilnehmern aus der Ukraine, Polen, Weißrussland, Litauen, Kroatien und Finnland. Mit dem Besuch von Präsident Trump bei der Dreimeeres-Initiative sieht sich die Vereinigung in ihrer Arbeit und Richtung bestätigt.

So treffen verschiedene Varianten einer Vision aufeinander, die sich alle zusammen gegenseitig stärken werden und von denen doch jede für sich beanspruchen wird, die einzig Richtige zu sein. Deutschland, das mit der Konstruktion der Pipeline Nord Stream 2 aus Russland absolut gegen die Errichtung eines Energiekorridors entlang der gesamten Ost-EU-Achse ist, sieht sich mit der Aufwertung des Projekts durch den US-Präsidenten mit einem unerwarteten Problem konfrontiert. Plötzlich steht Amerika wieder vor der Türe auf einem Feld, auf dem sich Berlin selbst als Hegemon etablieren wollte. Mit juristischem Geplänkel versuchte Deutschland, Kroatien die Ausrichtung der Außenpolitik in Richtung Intermarium madig zu machen, indem sich Berlin in einem alten Grenzstreit auf die Seite Sloweniens schlug, dessen Ausgang Auswirkungen auf die Pläne für das LNG-Terminal auf der Insel Krk haben könnte.
„Zwischen den Meeren“ würde vor allem die EU spalten

Dessen ungeachtet führte Kroatien bereits Gespräche mit Katar, das als Lieferant für Flüssiggas und als Investor in Frage kommt, wobei sich Zagreb auch Gegengeschäfte in einem der reichsten Länder der Welt erhofft. Aber auch die US-Regierung – und das schon während der Ära Obama – betreibt aktive Lobbyarbeit für die Kroaten. So empfahl der Sonderbeauftragte für Energieangelegenheiten des Außenministeriums, Amos Hochstein, der ukrainischen Regierung, sich das benötigte Gas aus Kroatien zu holen. Auch der in Berlin ansonsten beliebte Atlantic Councilverlangt, die Dreimeeres-Initiative als „Priorität“ für die US-Regierung einzustufen.

Das alles ist natürlich Sand auf den Mühlen für westeuropäische Skeptiker, denen das, was in Osteuropa geschieht, ein äußerst störender Dorn im Auge ist. Das gleiche gilt auch für einige EU-Politiker aus Litauen und anderen Ländern, deren offensichtliche Russophobie es nicht zulässt, zu akzeptieren, dass die Transportkosten für russisches Gas über die Nord Stream 2 Pipeline um 40 Prozent gesenkt werden können, verglichen mit der Transitroute über die Ukraine und Polen. Stattdessen bestehen sie darauf, dass das Gas auch weiterhin über die Ukraine transportiert werden müsse.

Die Zeichen der Zeit deuten aber auf jeden Fall auf die Rückkehr einer verstaubten Vision, die von den USA und selbst China im Rahmen der eigenen OBOR-Initiative unterstützt wird, was nur eine weitere Spaltung der Europäischen Union zur Folge haben wird. Dieses Resultat wird vom rechten Spektrum für die eigene Propaganda als selbsterfüllende Prophezeiung benutzt werden, was seinen Protagonisten ebenfalls mehr Zulauf gerade durch die zahlreichen „territorialen Verteidigungsaktivisten“ in osteuropäischen Ländern bringen wird.

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