„Kreml-Anwältin“ Natalija Wesselnizkaja packt im Exklusiv-Interview


Die russische Anwältin Natalija Wesselnizkaja hat dem Fernsehsender RT ein exklusives Interview gewährt. Dort erzählt sie, wer ihrer Meinung nach hinter dem Skandal um den Sohn des US-Präsidenten, Donald Trump Jr., steht. Sie sei bereit, vor dem US-Kongress auszusagen.

Der Skandal um Donald Trump Jr. ebbt nicht ab. Medien haben Informationen veröffentlicht, wonach die „kremlnahe“ Anwältin Natalija Wesselnizkaja dem Sohn des 45. US-Präsidenten bei einem persönlichen Treffen kompromittierendes Material über die ehemalige demokratische US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton angeboten haben soll. Außerdem soll die Russin versucht haben, Donald Trump Jr. das Ergebnis ihrer Untersuchung im Fall William Browder zu übergeben. Demnach hätte eine mit dem Chef von Hermitage Capital verbundene Firma die Demokratische Partei der Vereinigten Staaten illegal gesponsert. Don Trump hätte daran kein Interesse bekundet.

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William Browder war zwischen 1995 und 2007 einer der größten Investoren in die russische Wirtschaft. Wegen seiner Schwindelgeschäfte wurde er in Russland in Abwesenheit zu neun Jahren Haft verurteilt.
RT: Wir möchten gerne die Situation klären. Könnten Sie uns bitte erzählen, was passiert ist? Warum stellen einige Medien Sie fast schon als „Kreml-Agentin“ dar? William Browder, einer der wichtigsten Lobbyisten des Magnitski-Gesetzes, glaubt, dass Sie zusammen mit der russischen Staatsanwaltschaft eine persönliche Attacke gegen ihn führen… Würden Sie uns bitte die Situation erklären?

Natalija Wesselnizkaja: Ich sage es Ihnen mal so… Vor dem Hintergrund der aktuellen Massenhysterie bin ich nur bereit, die Situation auf dem Rechtsweg zu klären: entweder über meine Anwälte oder durch Anhörungen im US-Senat.

RT: Sie sind also bereit, vor dem Senat auszusagen?

Natalija Wesselnizkaja: Ja, ich bin dazu bereit, wenn man mir die erforderliche Sicherheit gewährt. Heute muss ich vor allem an meine Sicherheit und an die Sicherheit meiner Familie, meiner vier Kinder denken. Es stellt sich heraus – und davon berichten ja heute die Medien –, dass Herr Browder Informationen über meine Kinder gesammelt hat. Sein Team hat Informationen über meine Familie, meinen Familienstand gesammelt: ob ich verheiratet bin oder nicht, ob ich Kinder habe oder nicht. Sie haben Fotos meines Hauses angefertigt und sie an Kyle Parker weitergeschickt. Das ist ein bekannter Mann im Repräsentantenhaus, der seit vielen Jahren ausschließlich für Herrn Browder arbeitet und nicht im Dienst der Kongressleute und des Kongresses steht. Dann sind diese Informationen an Vertreter des State Department übermittelt worden.

RT: Wozu braucht er diese…?

Natalija Wesselnizkaja: Ich weiß nicht, wozu er das braucht. Ich kann nur annehmen, dass die jetzige Situation, die auf diese Weise schon seit zehn oder wie vielen Tagen auch immer entfacht wird, die gut inszenierte Geschichte eines ganz konkreten Manipulators ist. Denn Herr Browder ist einer der größten Experten für mediale Manipulationen. Ich habe keinen Zweifel daran, dass dieser Mensch all diese Gerüchte aufheizt, anspornt, organisiert und nährt. Als Rache für jene Niederlage, die er vor Gericht im Südlichen Bezirk von New York im Fall Prevezon einstecken musste. Er hat es nicht geschafft, seine faule Geschichte über eine Tragödie universellen Ausmaßes, die es niemals gegeben hat, und über seinen Kampf für seinen toten Mitarbeiter, von dessen Existenz er erst nach dessen Tod erfahren hat, mithilfe der US-Staatsanwaltschaft und der US-Regierung vor Gericht zu legitimieren.

RT: Würden Sie uns bitte die Rolle der Staatsanwaltschaft erklären? Denn es gibt nämlich Gerüchte, wonach…

Natalija Wesselnizkaja: Die Generalstaatsanwaltschaft der Russischen Föderation führt kraft der föderalen Gesetze und der Verfassung der Russischen Föderation die Aufsicht über die Untersuchung von Strafsachen. Und in dieser Situation braucht man nach keinen Hintergründen zu suchen und aus einer Mücke einen Elefanten zu machen. Diese Geschichte ist überhaupt nicht der Rede wert.

RT: Ursprünglich wurde das alles so formuliert, als ob Sie zusammen mit dem Staatsanwalt…

Natalija Wesselnizkaja: Nicht ich und die Staatsanwaltschaft! Wer bin ich und wer ist der Staatsanwalt? Mir wurde bekannt… Sagen Sie bitte: Wenn Sie erfahren würden, dass jemand gegen Ihre Verwandten, gegen Ihr Land ein Verbrechen verüben würde, würden Sie so tun, als wäre Ihr Name Hase und Sie wüssten von nichts? Oder würden Sie doch als Mensch mit gewissen beruflichen Erfahrungen und Analysefähigkeiten die Situation unter die Lupe nehmen und das Ergebnis – zumindest unter Ihrem Blickwinkel als Journalist – dem Urteil der Öffentlichkeit überlassen? Was nun meinen Beruf angeht… Was soll ich in einer Situation tun, wenn der Mann eine krasse Lügengeschichte über Folter, Mord und einen toten Anwalt erfindet, den er nicht einmal gesehen hat und den er trotzdem als seinen besten Freund ausgibt? Ich bin müde, das zu wiederholen. Und es hat sich gezeigt, dass sich dafür niemand interessiert.

RT: Das wird aber so dargestellt, als ob…

Natalija Wesselnizkaja: Eben mit dieser Geschichte habe ich mich an Herrn Trump jr. gewandt, um ihm zu erzählen, wie ein konkreter Mann, der auf die Staatsbürgerschaft der Vereinigten Staaten verzichtet hat, heute eine Reihe von Leuten manipuliert, die im Kongress arbeiten. Und laut den Informationen, die wir heute den Medien entnehmen können, wissen wir bereits, wer diese Leute sind. Herr Parker hat sich im vorigen Jahr während der Vorführung des Films von Andrei Nekrassow, „Der Fall Magnitski“, in Washington am meisten darüber empört. Am folgenden Tag sind Nekrassow und ich zu den Anhörungen gekommen, um den Kongress zu bitten, eine Ermittlung wegen der Tätigkeit von Browder einzuleiten, um zu klären, wie dieser überhaupt zu seinem Vermögen gekommen war, indem er geschickt gewisse Möglichkeiten von Lobbyunternehmen genutzt und seine Kontakte zu Mitarbeitern von Büros einer Reihe von Kongressleuten, einschließlich des Herrn Parker, instrumentalisiert hatte. Dabei lebt er schon seit 20 Jahren nicht mehr in diesem Land, zahlt keinen Cent an Steuern und macht nichts Nützliches, außer jene Leute zu verfolgen, die ihm Knüppel zwischen die Beine werfen, und zu versuchen, sich selbst als eine große politische Persönlichkeit darzustellen. Das ist bloß die Rache eines konkreten Menschen, der auf diese Weise beschlossen hat, die Aufmerksamkeit von seiner eigenen Person abzulenken, und zu diesem Zweck diese weitere faule Geschichte erfunden hat. Darin kann ihm auch keiner das Wasser reichen.

RT: Leugnen Sie also die Existenz des Briefes, den Trump jr. veröffentlicht hat, und in dem Rob Goldstone darauf hinweist, es handele sich dabei um…

Natalija Wesselnizkaja: Ich kenne diesen Menschen nicht einmal.

RT: Woher konnte er denn…?

Natalija Wesselnizkaja: Ich habe keine Ahnung. Wenn man davon ausgeht, dass er bloß Musikproduzent ist, wie es sich herausgestellt hat… Ich habe sofort, als man mir das gezeigt hat, im Gespräch mit Ihren Kollegen von NBC die Einschätzung geäußert, dass es absoluter Quatsch ist. Zeigen Sie mir diesen Menschen. Ich will ihm in die Augen schauen. Das ist Wahnsinn. Ich kann das lediglich vom psychologischen Gesichtspunkt aus erklären. Das ist ein Mann, der es gewohnt ist, eine Ware oder eine Idee zu verkaufen und zu vertreiben. Er hat nun beschlossen, mich zu einer solchen Ware zu machen und zu vertreiben. Wie hätte er jemanden zwingen oder überzeugen können, etwas zu organisieren? Ich hatte überhaupt keine Ahnung, dass es noch weitere Unterhändler geben würde. Das war eine private Bitte. Nicht mehr und nicht weniger. Bitte, ich bitte Sie sehr: Hören Sie auf, hören zumindest Sie auf, diese Geschichte aufzubauschen!

RT: Und…

Natalija Wesselnizkaja: Das ist schon… Hören Sie mal zu. Ich möchte nichts gegen den gesamten Journalismus, gegen Sie persönlich, gegen Ihren Sender sagen. Ich bin nicht politisch engagiert. Ich bin kein öffentlicher Mensch. Ich sehe überhaupt nicht fern. Ich weiß nicht, welche Richtlinien sie befolgen, welche Richtlinien andere Sender befolgen. Ich weiß das nicht. Ich bin nun einmal in eine Situation geraten, wo Sie mich ansprechen. Ich weiß nicht, wie Sie erfahren haben, dass ich hier bin. Sie kommen mehrmals auf mich zu. Ich sage Ihnen eindringlich, dass ich Ihnen kein Interview gewähren will. Sie kommen aber weiter auf mich zu. Das ist Ihr Beruf. Ich sehe das ein und respektiere das. Ich bitte aber, auch mich zu respektieren.

Das ist eine Hexenjagd. Deswegen, meine Besten, werde ich in dieser Situation öffentlich nur auf dem Rechtsweg aussagen. Wenn der Senat die wahre, reale Geschichte hören möchte, werde ich mit großer Bereitschaft alles sagen, was ich Herrn Trump jr. sagen wollte, was ich im vorigen Jahr im Kongress erzählen wollte, ehe man die Tagesordnung geändert hatte. Und zwar dazu, was ich darüber weiß, wie Millionensummen in mein Land, nach Russland gepumpt wurden, um dann mit Milliardenerträgen zurückzukehren. Dabei wurden diese Gelder nicht einmal versteuert. Wohin sie abgeflossen sind, das ist schon eine Frage, die Sie an die Justiz der Vereinigten Staaten richten müssen. Das ist schon Ihre Frage, nicht meine.

Natalija Wesselnizkaja: Genau das ist der Fall… Entschuldigung, ich verstehe, wovon Sie sprechen. Das ist der Fall, nach dem ich beschlossen habe, nicht mehr mit der Presse zu kommunizieren. Ich weiß nicht, warum ich noch hier stehe und mit Ihren rede. Vielleicht, weil sie Russe sind. In diesem Sinne komme ich Ihnen vielleicht entgegen. Verstehen Sie aber, mir ist das schon einmal widerfahren. Ich habe mit einem netten jungen Kerl gesprochen, den ich von meiner Arbeit in New York kenne. Ich weiß nicht, was mit ihm innerhalb jener zwei Tage nach meinem Gespräch mit ihm und der Veröffentlichung jenes Interviews passiert ist. Jedes meiner Worte wurde verdreht und in ein anderes Licht gestellt. Damit man mich nicht für die Förderung der Rache oder politischer Ambitionen irgendeiner Person ausnutzen kann, muss ich schweigen und mich ausschließlich mit Fakten und im rechtsstaatlichen Bereich ausdrücken.

Zuvor hatte die Zeitung New York Times berichtet, dass sich die angeblich „kremlnahe“ russische Anwältin Natalija Wesselnizkaja im Jahr 2016 mit dem älteren Sohn des US-Präsidenten Donald Trump getroffen und ihm kompromittierendes Material über die damalige US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton angeboten hätte. Der Pressesprecher von Wladimir Putin teilte mit, weder von Natalja Wesselnizkaja noch von ihrem Treffen mit Donald Trump Jr. zu wissen. Don Trump selbst erklärte gegenüber dem Blatt, dass die Russin keine Staatsbedienstete gewesen sei und keine wichtige Informationen gehabt habe. Ihm zufolge sei das mutmaßliche Belastmaterial gegen Hillary Clinton nur ein Scheingrund für die Zusammenkunft gewesen. Die Anwältin habe mit ihm über das Magnizki-Gesetz sprechen wollen. Später veröffentlichte der ältere Sohn des 45. US-Präsidenten seinen Briefwechsel mit dem Musikproduzenten Rob Goldstone, der das Treffen organisiert haben soll. Dem Briefwechsel zufolge soll sich der russische Sänger Emin Agalarow bei Rob Goldstone für das Treffen eingesetzt haben.

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