Offiziell Hunderttausend Tote und Verletzte

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Trotz milliardenschwerer Waffenhilfe im Rahmen eines CIA-Programms ist es den islamistischen Aufständischen in Syrien nicht gelungen, die Regierung von Präsident Assad zu stürzen. Vergangene Woche wurde die Einstellung des Programms verkündet.

Vergangene Woche hatte Washington überraschend verkündet, Aufständische in Syrien nicht mehr mit Waffenlieferungen im Kampf gegen die Regierung zu unterstützen. Inzwischen sind weitere Details des endlich eingestellten CIA-Programms bekannt geworden.

Nachdem US-Präsident Donald Trump vergangene Woche überraschend die Einstellung des CIA-Programms zur Bewaffnung und Ausbildung von regierungsfeindlichen Kräften in Syrien verkündet hat, beschäftigen sich US-Medien vor allem mit der Frage, ob und inwieweit es sich bei dem Schritt um ein Zugeständnis an Russland handelt. Nebenbei sind jedoch auch neue Details zu dem Programm selbst bekannt geworden, die zeigen, dass die Unterstützung der USA für den bewaffneten Aufstand in Syrien noch umfangreicher ausfiel, als bislang bekannt.

Zur Erinnerung: Das CIA-Programm wurde offiziell erst im Frühjahr 2013 unter dem Decknamen „Timber Sycamore“ ins Leben gerufen. In dessen Rahmen wurden in Jordaniens Hauptstadt Amman sowie in der südtürkischen Stadt Adana, nahe dem NATO-Luftwaffenstützpunkt Incirlik, geheime Kommandozentralen zur Koordinierung der Aufständischen eingerichtet.
In diesen Military Operations Centers (MOC) wurden die Regierungsgegner mit Waffen und Informationen aus der militärischen Aufklärung versorgt, darunter beispielsweise Satellitenbilder über Truppenbewegungen der syrischen Armee. In den MOCs gaben sich auch Vertreter Saudi-Arabiens und Katars die Klinke in die Hand. Die mittlerweile verfeindeten Golfstaaten trugen vor allem zur Finanzierung des geheimen CIA-Programms bei. Unter Obhut des US-Auslandsgeheimdienstes und der Vermittlung Saudi-Arabiens gelangten Tausende Tonnen Kriegsgerät aus Osteuropa nach Syrien.

Das Ende von „Timber Sycamore“ soll bereits vor einem Monat beschlossen worden sein. Doch noch vergangene Woche, einen Tag nach dem verkündeten Aus, konnte die Financial Times noch keine Auswirkungen vor Ort feststellen.

„Bislang ist nichts bestätigt. Am Boden gibt es keine Veränderung. Als wir in der Kommandozentrale mit den betroffenen Parteien sprachen, waren diese über die Neuigkeit genauso überrascht“, zitiert die US-Zeitung Hassan Hamadeh, Kommandeur der Division 101.

Laut einem anderen, namentlich nicht genannten Kommandeur, sei das letzte Monatsgehalt für die Rebellen noch pünktlich ausbezahlt worden. Man rechne aber mit einem baldigen Ende des Programms – „die Rolle der CIA hat sich erledigt“, so der Kommandeur. Nun war es schon lange bekannt, dass die CIA Aufständische mit Waffenlieferungen und Ausbildungsprogrammen unterstützt, nicht aber, dass den an „Timber Sycamore“ beteiligten Rebellen auch Gehälter bezahlt werden.

Massenmord Made in USA

Trotz der umfassenden Unterstützung hat die US-Söldnerarmee den anvisierten Sturz des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad nicht erreicht, weshalb viele US-Analysten die Operation als Fehlschlag werten.

„Bizarrerweise ist die größte Konsequenz aus dem Programm, dass es zur russischen Militärintervention im Jahr 2015 beigetragen hat, die Präsident Assad gerettet hat – und damit das Gegenteil von dem erreichte, was es anstrebte“, zog die Washington Post jüngst ihr Fazit.

Dennoch habe es sich nicht um ein nutzloses Unterfangen gehandelt, so die US-Zeitung. Denn laut Schätzungen eines „sachkundigen Beamten“ hätten die von der CIA unterstützten Kämpfer innerhalb der letzten vier Jahre „100.000 syrische Soldaten und Verbündete getötet oder verwundet“.
Der Krieg in Syrien war keine Folge einer Verkettung unglücklicher Umstände. Westliche Regierungsstellen haben die Eskalation schon Jahre vor dem Ausbruch der Kampfhandlungen angestrebt. Dies belegen mittlerweile auch Dokumente.

Dank der US-Waffenhilfe konnten die Aufständischen der syrischen Armee empfindliche Niederlagen beibringen und waren im Sommer 2015 der Provinz Latakia, Hochburg der Regierungsanhänger, gefährlich nahegekommen. Mithilfe moderner US-Panzerabwehrraketen war es den Aufständischen gelungen, die angrenzende Provinz Idlib zu überrennen. Die Offensive wurde von al-Kaida geführt. Die Terrororganisation konnte ihre Herrschaft über die Provinz in den letzten Tagen weiter verfestigen.

Laut der Washington Post sprachen Mitarbeiter der CIA damals von einem sich anbahnenden„katastrophalen Erfolg“, der zwar zum Sturz Assads, nicht aber zu einer moderaten Regierung geführt hätte. Denn als das CIA-Programm im Jahr 2013 einsetzte, „war die militärische Opposition von Dschihadisten und Kriegsfürsten“ dominiert, so die Zeitung, die gleichzeitig bemängelt, dass die Islamisten lediglich an Flugabwehrwaffen ausgebildet wurden, diese aber nicht auf dem Schlachtfeld einsetzen durften.

Konflikt in Syrien wurde schon 2011 mit Waffenlieferungen angeheizt

Dem CIA-Programm wäre ein größerer Erfolg beschieden gewesen, wenn es bereits im Jahr 2012, „als die Extremisten noch nicht so mächtig waren“, eingesetzt hätte, behauptet die Washington Post. Mit dieser Aussage zimmert das US-Blatt an der Bildung der Legende mit, laut der die anfangs zu passive Haltung der USA den Dschihadisten zugute kam. Das ist aus zweierlei Gründen falsch.

Zum einen hatte die CIA mithilfe ihrer Partner spätestens seit Anfang 2012 die Aufständischen in Syrien mit Waffenlieferungen aus osteuropäischen Beständen unterstützt, wie die New York Times bereits im März 2013 berichtete. Darüber hinaus wurden Waffen aus libyschen Beständen schon im Jahr 2011 nach Syrien verschifft – unter Beteiligung der US-Botschaft in Bengasi.

Nachdem die islamistischen Aufständischen im August 2011 die libysche Hauptstadt Tripolis eingenommen hatten, übernahm Abd al-Hakim Balhadsch den Vorsitz des Militärrates der Stadt. Der ehemalige Anführer der Terrororganisation Libysche Islamische Kampfgruppe, die enge Beziehungen zu al-Kaida unterhält, war damit faktisch der temporäre Herrscher der Millionenmetropole. Balhadsch galt als der direkte Verbindungsmann zwischen der libyschen Opposition und dem dortigen US-Botschafter Chris Stevens. Im November 2011 fädelte er die ersten Waffenlieferungen nach Syrien ein.
Salman Abedi, der Attentäter von Manchester, in einer Aufnahme einer Überwachungskamera, 27. Mai 2017.

Aufstand frühzeitig von Dschihadisten dominiert

Zum anderen wurde die militärische Opposition in Syrien bereits im Jahr 2012 von islamistischen Kräften dominiert. Das belegt unter anderem ein Bericht des US-Militärgeheimdienstes Defense Intelligence Agency (DIA) vom August 2012, der vor zwei Jahren an die Öffentlichkeit gelangte.

Demnach gab es bereits zu diesem Zeitpunkt keine „gemäßigten“ Rebellen mit nennenswerten Einfluss mehr. Stattdessen führten al-Kaida und andere islamistische Kräfte den Aufstand an – unterstützt von „westlichen Ländern, den Golfstaaten und der Türkei“. Das Ziel der Islamisten, in Ostsyrien ein „salafistisches Fürstentum“ zu etablieren – das später dann in Form des „Islamischen Staates“ seine Gestalt annahm – sei „genau das“, was die Fördermächte der Aufständischen wollten, um „das syrische Regime“ vom Iran und dem Irak zu isolieren, so der DIA-Bericht.

Der damalige Chef des Militärgeheimdienstes, Michael T. Flynn, bestätigte nach Bekanntwerden des Berichts in einem Interview mit Al Jazeera, dass es eine „vorsätzliche Entscheidung“ Washingtons gewesen ist, die islamistischen Terrorgruppen in Syrien zu fördern.

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