US-Medien verbreiten Gerüchte über Saudis, um Golf-Blockade zu durchbrechen

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Das war keine gute Woche für die Saudi-Führung in den US-Medien. Journalisten veröffentlichten eine Menge peinlicher Nachrichten, scheinbar mit der Absicht, Saudi-Arabien und seine Alliierten am Persischen Golf anzugreifen. Danach – und nicht ganz zufällig – beendete der von den Saudis geführte Block seine Angriffe auf Katar.

Der Streit zwischen Katar und den anderen Staaten des Persischen Golfs – Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrein – ist der schlimmste Konflikt in den Beziehungen zwischen den von den USA unterstützten Erdöl- und Gasmonarchien seit vielen Jahren. Alle energiereichen Scheichtümer sind US-amerikanische Verbündete, oder milder gesagt, Kundenregime. Der anhaltende Konflikt, in dem der von den Saudis geführte Block auch von Ägypten und mehreren arabischen Staaten unterstützt wurde, war auch eine Gefahr für strategische Interessen der USA in der lebenswichtigen Region.

Am 5. Juni hatten Saudi-Arabien und andere Länder erklärt, dass sie Handels- und Verkehrsverbindungen sowie diplomatische Beziehungen mit Katar einstellen. Katar ist ein märchenhaft wohlhabender, winziger und gasreicher arabischer Halbinselstaat, der eine Landesgrenze mit Saudi-Arabien besitzt. Der Saudi-Block warf Katar vor, den Terrorismus zu unterstützen und dem Iran gegenüber zu freundlich zu sein. Der schiitische Iran wird von den hauptsächlich sunnitischen arabischen Ländern des Persischen Golfs als Feind angesehen.

Auch dem katarischen Monarchen, Scheich Tamim bin Hamad al Thani, der den in Doha ansässigen Fernsehsender Al Jazeera besitzt, wurde vorgeworfen, sich in innere Angelegenheiten der arabischen Nachbarn eingemischt und Instabilität ausgelöst zu haben. Die hochtönenden Anklagen stanken nach Effekthascherei und Heuchelei. Als das Saudi-Lager eine Liste von dreizehn harten Forderungen vorstellte, und als Frist für den Eingang einer Antwort den 23. Juni festlegte, ignorierte Katar das Ultimatum einfach.

Eine dieser Forderungen bestand darin, Katar solle den Sender Al-Jazeera schließen. Das war sowohl empörend als auch absurd. Al-Jazeera ist im Unterschied zu Medien aus anderen arabischen Staaten, den Rivalen Katars, ein angesehener, international anerkannter Fernsehsender. Der Aufruf zur Abschaltung von Al-Jazeera zeigte die despotische Natur Saudi-Arabiens und der anderen Länder.
Symbolbild

Der Konflikt im Persischen Golf verursachte große Verwirrung in Washington. Die amerikanische Zusammenarbeit mit despotischen Regimen rückte deutlicher als jemals zuvor in den Fokus. Das ist jedoch nicht alles:

Die US-Amerikaner verlassen sich auf Katar, da sich dort ihre wichtigste Militärbasis befindet, die eine große Rolle für den ganzen Nahen Osten spielt. Dort befindet sich auch das US-Zentralkommando. Der Luftwaffenstützpunkt Al-Udeid, wo 10.000 Soldaten untergebracht sind, ist das Drehkreuz für die US-Luftwaffe im Irak und Syrien, sowie das Koordinationszentrum für Operationen in der ganzen Region, von Afghanistan bis zum Jemen.

Eine Abwärtsspirale am persischen Golf, hin zu einer ernsthaften Krise, die wegen der Unerbittlichkeit beider Seiten durchaus möglich war, betrachtete Washington mit großer Besorgnis. Die strategische Position der USA in dieser energiereichen Region beruht auf der Einheit zwischen den sunnitischen Königreichen. Es geht um amerikanische Militärprojekte, das globale Währungssystem mit dem Petrodollar sowie darum, zu verhindern, dass der Iran von einer politischen Spaltung profitiert.

US-Präsident Donald Trump machte einen groben Fehler, als er zunächst den von Saudi-Arabien geführten Block in seinen dubiosen Vorwürfen gegen Katar unterstützte. Trump stellte Katar als einen „Terrorismussponsor“ dar und schien während seines Staatsbesuchs in Saudi-Arabien vom 20. bis 22. Mai grünes Licht für die Isolation Katars zu geben.

Es scheint, dass Trump gegen den Willen seines eigenen Außenministeriums handelte. Denn seit dem Beginn der Spannungen am Golf gab sich der US-amerikanische Chefdiplomat, Rex Tillerson, sehr viel Mühe, um die Krise wieder zu entschärfen. In den letzten Wochen war Tillerson mit Pendeldiplomatie beschäftigt und reiste zwischen Katar und Saudi-Arabien hin und her, um das Kriegsbeil zu begraben. Seine Bemühungen waren zunächst ergebnislos, da Katar sich weigerte, vor seinen Nachbarn niederzuknien.
Der jetzige saudische König, damals noch als Kronprinz, bei seiner Ankunft in Tokyo, 18. Februar 2014.

Wenige Tage nach der Rückkehr Tillersons nach Washington, nach ergebnislosen Verhandlungen, verbreiteten US-Medien eine Reihe von schädlichen Geschichten über die Saudi-Führung und ihre Alliierten. Zu den Themen, die Schlagzeilen in prominenten US-amerikanischen Zeitungen machten, war die Verhaftung einer jungen Saudi-Araberin in einem Minirock. In einem Video war zu sehen, dass sie in Minirock und kurzen Top durch ein kleines saudisches Dorf spazierte.

Das Video hat sich in sozialen Netzwerken viral verbreitet und die junge Frau wurde später von der saudischen Religionspolizei festgenommen, da Frauen im hyperkonservativen Königreich keine Haut zeigen dürfen. Diese Nachricht griffen alle wichtigen US-Medien auf. Die saudischen Behörden ließen die junge Frau umgehend und straflos wieder frei.

Dann folgte eine Geschichte über einen saudischen Studenten, dem eine Enthauptung droht, da er angeblich an Protesten gegen die Regierung teilgenommen hatte. Mujtaba’a Al Sweikat sollte eigentlich an die Western Michigan University in den USA zurückkehren, aber die letzten fünf Jahre verbrachte er in Saudi-Arabien in einem Gefängnis. In dieser Woche teilte das Magazin Newsweek mit, dass die Föderation der Amerikanischen Lehrer den US-Präsidenten anfleht, einzugreifen und den Studenten vor der grausamen Todesstrafe zu retten.

Die Zeitung New York Times erzählte eine weitere pikante Geschichte – diesmal über Hofintrigen am saudischen Königshaus. Nach Angaben der Zeitung soll der saudische Kronprinz, Mohammed bin Salman, im vorigen Monat durch einen sanften Putsch seinen Vorgänger verdrängt haben. Angeblich wurde der vorherige Kronprinz, Mohammed bin Nayef, unter Hausarrest gestellt, um einen „Gegenputsch“ zu vermeiden. Um ihrer Pflicht nachzukommen, die Quellen zu benennen, berief sich die New York Times auf Mitarbeiter aus dem Auslandsgeheimdienst CIA. Im Endeffekt besteht der Zweck dieser Vorwürfe ausschließlich darin, die saudische Führung zu untergraben.

Aber die große Nachricht dieser Woche, mit dem Hintergrund den Saudis zu schaden, war die Behauptung der US-amerikanischen Geheimdienste, die Golfstaaten hätten Fake-News verbreitet und Hacker-Angriffe ausgeführt. Diese Nachricht veröffentlichte die Washington Post, später wiederholte sie der Fernsehsender NBC. Die amerikanischen Geheimdienste machten sich im Streit mit den Golf-Staaten für Katar stark.
Deutsche Holstein-Kühe in der Nähe von Doha, Katar, 16. Juni 2017.

Nach der Einschätzung der USA hackte die „Regierung der Vereinigten Arabischen Emiraten“ am 24. Mai die Webseite der katarischen Nachrichtenagentur QNA. Dies stellte den Auslöser der gesamten Auseinandersetzung dar. Wegen dieser Cyberattacke verbreitete die Webseite QNA später Falschmeldungen, in denen katarische Behörden den Iran als „islamische Macht“ priesen und die palästinensische Widerstandsbewegung Hamas unterstützten. Katar distanzierte sich umgehend von diesen Meldungen und bezeichnete sie als Ergebnis einer Cyberattacke.

Inzwischen erklärten Saudi-Arabien und die VAE, dass Katar selbst schuld sei, an dem, was ihnen vorgeworfen wird. Eine Woche nach dem Zwischenfall verkündeten die Saudis und ihre Alliierten die Blockade Katars und versuchten die Spannungen zu verschärfen, indem sie harte Forderungen aufstellten, nämlich Al-Jazeera und andere Medien abzuschalten. Und siehe da: Nach der Menge an schlimmen Berichten in den US-Medien über die Saudis und ihre Golf-Verbündeten scheint es nun, dass eine Lösung absehbar ist.

Nach Angaben der Medien machte der Saudi-Block eine plötzliche Kehrtwende und nahm Abstand von seiner Liste aus dreizehn Forderungen an Katar. Stattdessen präsentierten die Saudis nun eine neue Liste mit sechs abgemilderten „Prinzipien der Vereinbarung“. Und – wer hätte das gedacht! – die vorherige Forderung, endliche Al-Jazeera abzuschalten, ist nicht mehr auf der Liste. Im Einklang mit strategischen politischen Interessen verbreiteten die US-Medien Gerüchte über die Saudis – und das erlaubte es ihnen, die Golf-Blockade zu durchbrechen.

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