US-Energieproduzenten fahren Investitionen in Fracking zurück – und es wird noch schlimmer kommen

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Die Hochphase der Erdgas- und Erdöl-Produktion durch Fracking bricht ein. So haben bereits zwei große US-Konzerne der Branche ihre Ausgaben deutlich reduziert.

Offiziell werden die Kosteneinsparungen als Maßnahme verkauft, um das Geschäft profitabler zu gestalten. Doch eines wird deutlich: Es gibt ganz andere Probleme. Zu wenig Gewinn für die Investoren steht dabei nicht an erster Stelle.

Der Blick auf den Rohstoffhandel zeigt: Meist lässt sich an den Verkaufspreisen auf dem Weltmarkt ein Grund ausmachen, wenn es produzierenden Firmen wirtschaftlich nicht gut geht.

Zu sehen ist hier der Vergleich von Erdgas und Rohöl seit 2016. Bei beiden Ressourcen ist ein deutlicher Preiszuwachs zu sehen. Erdgas schwankt zwar mehr, ist dafür preislich aber auch im Verhältnis lukrativer – zumindest befindet sich die Steigerung seit Januar 2016 mit gut 80 Prozent ein Drittel über dem Preisanstieg von Crude Rohöl.

Allerdings ist dieses vermeintliche Plus nicht mehr aktuell. Die stärksten Anstiege konnten im Jahr 2016 verzeichnet werden. Seit 2017 Jahr laufen die Kurse mehr oder weniger konstant. Beide Rohstoffe konnten die Werte des Jahresbeginns nicht mehr erreichen. Das scheint jetzt auch bei den Förderern angekommen zu sein, die sich vorsichtshalber zurückziehen.

Anadarko Petroleum war dabei der Pionier. Das 1959 gegründete Unternehmen, das inzwischen erfolgreich auf den Fracking-Trend aufgesprungen ist, kürzte Anfang der Woche als erstes das Budget. Der Einschnitt ist dabei nicht so extrem, wie das Signal, das dieses Manöver sendet. Denn: Die für 2017 geplanten Ausgaben bewegen sich bei Anardarko im Bereich zwischen 4,5 und 4,7 Milliarden US-Dollar. Diese wurden jetzt für das restliche Jahr um 300 Millionen US-Dollar gekürzt.

Viel dramatischer ist aber, dass der Konzern öffentlich erklärte, dass er sich die geplanten Ausgabenlimits nicht mehr leisten könne. Als Begründung wurden die niedrigen Ölpreise genannt. Die Anleger haben dies schon früher erkannt.

Der Aktienkurs von Anadarko ist seit Beginn des Jahres rückläufig. Um den Jahreswechsel gab es eine sehr enge Seitwärtsphase um 70 US-Dollar pro Aktie. Im Februar wurde diese nach unten hin verlassen und näherte sich der grünen 200-Tageslinie an.
Aktienkurs Anadarko Petroleum Corp. 2017. (Grafik: Guidants.com)

Aktienkurs Anadarko Petroleum Corp. 2017. (Grafik: Guidants.com)

Wie häufig ist diese Linie ein Widerstand, der nicht sofort überwunden wird. Dementsprechend haben die Kurse eine Zeitlang mit der Durchschnittslinie gekämpft. Doch auch diese wurde durchbrochen und somit fielen die Aktienkurse von Februar bis Juli von 70 auf unter 45 US-Dollar.

Das gab der Konzernleitung offenbar zu denken und somit wurde nach einer Lösung gesucht. Meistens hilft es, die Kosten zu reduzieren. Genau dies hat Anadarko öffentlich gemacht und eine erste Reaktion sieht positiv aus. Somit könnte der Tiefpunkt im Juli erreicht worden sein. Doch noch ist nichts gewonnen. 300 Millionen US-Dollar weniger Ausgaben könnten ein Tropfen auf dem heißen Stein sein. Schließlich fehlen diese langfristig in der Produktion. Doch die Anleger stört das aktuell vorerst nicht.

Es bleibt dennoch fraglich, ob die 200-Tageslinie schnell erreicht und vor allem überwunden werden kann. Solange die Ölpreise sich nicht gravierend verändern, werden die Investoren kaum in Aktien investieren. Was dabei aber nicht vergessen werden darf: Die Aktie ist derzeit vermutlich sehr günstig bewertet und die Branche ist relativ krisensicher – solang die Rohstoffpreise nicht einbrechen. Das allein kann für viele Anleger Grund für einen Kauf sein. Dabei müssen aber folgende Fakten bedacht werden.

Anadarko könnte den Anfang einer Abwärtsschleife bilden. Denn jetzt hat ein zweiter Konzern aus dem Sektor angekündigt, seine Kosten ebenfalls zu minimieren. Whiting Petrolium sitzt in Denver im Bundesstaat Colorado und hatte dieses Jahr Ausgaben in Höhe von 1,1 Milliarden US-Dollar geplant. Diese werden jetzt um 14 Prozent beschnitten. Somit bleiben am Ende nur noch 950 Millionen US-Dollar übrig.

Für Spekulanten sollten insbesondere die geringen Investitionsausgaben ein rotes Tuch sein. Diese sind bei Whiting seit 2015 extrem geschrumpft. Dazu kommt, dass der Aktienkurs seit Jahresbeginn um 60 Prozent eingebrochen ist. Die Kurse lagen im Januar noch bei 12 US-Dollar pro Aktie- jetztetzt befinden wir uns etwa bei 4,6 US-Dollar.

Unterm Strich gilt für diese Industrie in etwa dasselbe wie für deutsche Energieunternehmen wie E.ON und RWE. Die ehemaligen Hochzeiten sind im aktuellen Marktumfeld bestenfalls für mittelfristige Trading-Ideen zu gebrauchen. Auch wenn die Aktienkurse wenig Potenzial haben, in den nächsten Jahren an die jeweiligen Allzeithochs anzuknüpfen – wer Kursschwankungen gut ausnutzt, kann auch mit diesen Aktiengesellschaften erfolgreich handeln.

Die Chart von Anadarko sieht dafür jedoch deutlich besser aus. Zumindest wäre es realistisch, dass die Preise die Kurslücke bei unter 55 US-Dollar anlaufen. Dies ist gleichbedeutend mit einem Gewinn beim aktuellen Stand von rund 15 Prozent. Entscheidend ist dabei, dass die Kurse nicht mehr unter das Tief von Anfang Juli fallen.

Anleger können jetzt auch diese Branche im Auge behalten. Verkündet das nächste große Unternehmen einen ähnlichen Sparkurs und sieht die Chart entsprechend lukrativ aus, könnte auch dort eine Investition einen soliden Gewinn abwerfen.

Politisch gesehen ist das Thema brisant. Die USA wollen Europa aus der Energie-Abhängigkeit von Russland befreien – und diese Position selbst besetzen. Sollte dieser geostrategische Schachzug aufgehen, können die USA die Exportpreise für Rohöl und Erdgas bestimmen und obige Unternehmen wieder in die Gewinnzone schieben. Insofern haben Konzerne wie Anadarko somit zumindest langfristig das Potenzial, die Aktionäre zufrieden zu stimmen.

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